Der Weg aus der Corona-Krise: das Café Nordhörnchen

November 12, 2020
Café Nordhörnchen in der Corona-Krise

Seit Mitte Februar lebe ich wieder in der Grafschaft Bentheim. In der Kreisstadt Nordhorn hat sich einiges getan, deswegen fiel es meinem Mann und mir nicht sehr schwer von Hannover hierher zu ziehen. Das liegt vor allem auch an der Gastronomie, ein wichtiger Punkt für mich als urbaner Mensch.

Das Potenzial in der Szene hat auch Sarah Gross, Inhaberin des Café Nordhörnchens, erkannt. Vor fast fünf Jahren startete die Inhaberin, die vorher im Hotelmanagement und als Eventmanagerin u.a. in Barcelona und London gearbeitet hat, mit ihrem eigenen Business. Auch Sarah ist betroffen von der Corona-Krise. Aber mit ihren vielen tollen Aktionen, die sie über Facebook und Instagram beworben hat, ist sie mir besonders aufgefallen. An ihrer spannenden Story möchte ich meine Leser sehr gern teilhaben lassen. Vielleicht kannst Du Dir bei der toughen jungen Frau so einiges für Dein Restaurant oder Dein Café abschauen.

Neue Vertriebswege suchen – das Café Nordhörnchen auf dem Wochenmarkt

1. Erzähl doch einmal kurz wer Du bist und was Dein gastronomisches Angebot ausmacht. 

Das Café Nordhörnchen gibt es seit fast fünf Jahren. Wie auch bei Dir [Anna, Anm. d. Red.] haben mein Mann und ich hier in der Grafschaft, vor allem in Nordhorn, unsere Wurzeln.

Nach verschiedenen Stationen im Ausland war es für mich Zeit für etwas Neues und ich habe schnell erkannt, dass Nordhorn noch Platz für kreative Gastronomie hat. Bei meinem Café geht es mir um ganz viel Persönlichkeit. Nicht nur das Produkt steht im Vordergrund, sondern auch der Service. Ich wollte Ideen aus der Stadt aufs Land bringen. Bevor wir gestartet sind, gab es in Nordhorn eher traditionelle Cafés. Das Café Nordhörnchen ist anders: authentisch, saisonal, nachhaltig, modern und ein bisschen skandinavisch. Letzteres merkt man vor allem an der Einrichtung. Damit richten wir uns eher an eine jüngere Zielgruppe. Die Kuchen und Torten im Café sowie im Catering sind von mir bzw. meinem Team. Alles andere beziehen wir aus der Grafschaft. Regionale Produkte sind mir extrem wichtig, daher unterstütze ich gerne lokale Lieferanten. So kommt auch alles frisch bei uns an.

2. Was war Deine erste Reaktion auf die Schließung/Einschränkung Deines Betriebs (im Frühjahr)? Kopf in den Sand oder „Hau ruck“?

Zunächst einmal haben wir selbst bereits zwei bis drei Tage vor dem offiziellen Stopp der Gastronomie, beschlossen das Café zu schließen. Der Schock war natürlich sehr groß. In der Gastronomie hat man es finanziell gesehen nach fünf Jahren „über den Berg“ geschafft. Die meisten Kredite für den Start des eigenen Lokals sind dann abbezahlt. Wir hatten aber noch ein halbes Jahr und uns bereits sehr auf den Punkt gefreut, an dem wir sagen können „wir haben es geschafft – fünf Jahre und wir stehen finanziell gut dar“. Das Corona-Virus hat diesen Punkt nun für uns weiter nach hinten verschoben. Aber wir geben nicht auf!

Zunächst einmal konnte ich mit der vielen Freizeit nicht so viel anfangen. Backen, einkaufen, managen, das alles war nicht mehr. Deswegen brauchte ich erst einmal ein paar Tage um zu überlegen, was ich für mich oder auch für andere tun kann. Zunächst einmal habe ich die Soforthilfe beantragt und dann habe ich mir einige Aktionen einfallen lassen.

3. Welche Ideen und Aktionen hast Du umgesetzt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und weiter Umsatz zu generieren?

Es war schon länger meine Idee beim Wochenmarkt, den wir hier quasi vor der Tür haben, mit einem Angebot verschiedener Kuchen und Kaffee mitzumachen. Das Thema bin ich also direkt angegangen und dank des Ordnungsamtes standen wir zwei Wochen nach der Schließung des Cafés auf dem Nordhorner Wochenmarkt.

Daneben hatten wir noch die Aktion „Backen gegen Corona“. Über iwatch habe ich Backtutorials erstellt und diese bei IGTV veröffentlicht und die Videos dann auch bei Facebook entsprechend gepostet. Außerdem haben wir für das Krankenhaus, Altenheime und für die Mitarbeiter in Supermärkten gebacken.

Eine andere Aktion, für die man uns allerdings schon kannte, waren die Geburtstagstorten. Unsere Gäste und Fans konnten für ihre Lieben Minitorten und Number Cakes bestellen. Die sind vorher auch schon gut angekommen, aber wegen der Schließung haben unsere Gäste uns mit den vermehrten Bestellungen besonders unterstützt.

Zu Ostern lief unsere Gutscheinaktion. Diese konnten über Facebook und Instagram bestellt werden. Wir haben sie dann, möglichst mit dem Fahrrad, verteilt. Mit der Muttertagsaktion verlief es ähnlich. Die Minitorten konnten entweder abgeholt werden oder wir haben sie persönlich bei den Müttern vorbeigebracht. Das kam sehr gut an.

Zwar haben wir mit den oben genannten Aktionen nicht unser Umsatzziel erreicht, aber so sind wir im Gespräch geblieben und konnten auch etwas für die Gesellschaft tun. Langeweile hatten wir also nicht! 🙂

 

4. Hattest Du dabei Hilfe und Unterstützung, von Freunden, Familie, Stadt/Kommune, Gewerbeamt?

Vor allem das Ordnungsamt Nordhorn hat uns sehr geholfen. Nachdem wir den Antrag wegen des Wochenmarkts gestellt haben, dauerte es etwa vier bis fünf Tage bis wir die Zusage bzw. die Genehmigung erteilt bekommen haben.

Aber natürlich haben uns auch unsere Kunden unterstützt, indem sie einfach mehr bestellt haben. Auch unsere Nachbarn „Spielwaren Schulenberg“ waren hilfreich. Sie haben Gutscheine von uns gekauft, die sie ihren Kunden geschenkt haben.

5. Wie hast Du Social Media dazu genutzt Dein geändertes/neues Angebot zu verbreiten?

Das Café Nordhörnchen ist auf Instagram und Facebook vertreten. Hier ist mir wichtig, dass wir möglichst authentisch unterwegs sind. Deswegen würde ich das Management der Kanäle niemals nach außen geben. Ich habe IGTV für das Café entdeckt, genauso wie vermehrt die Instagram Stories. So habe ich Tutorials, kurze Videos und unser Hygienekonzept vorstellen können. Aus Zeitgründen und weil ich davon überzeugt bin, dass auf den Kanälen nicht dieselben Leute folgen, habe ich den Contentformate dann 1:1 aus Instagram heraus auf Facebook veröffentlicht.

Es war uns auch wichtig, alles so einfach wie möglich für unsere Kunden zu machen. Für Gutscheine und Muttertagskuchen haben sie uns einfach bei Facebook oder Instagram eine Direktnachricht geschickt und ich habe ihnen dann über diesem Weg die Zahlungsmöglichkeiten durchgegeben. Am einfachsten für alle war eine Überweisung.

Es lief alles organisch ab, wir haben kein Mediabudget benutzt. Ich setze lieber auf Authentizität und einfach ausprobieren.

Auch in Zukunft werden wir weiter auf unsere Social-Media-Kanäle setzen und sie nicht außenvorlassen, weil wir das Feedback einfach so wahnsinnig schnell erhalten. Das Social-Media-Management wird auch weiterhin Chefinsache bleiben.

Vielen Dank Sarah!

Wie Du siehst, hat es nicht viel gebraucht, um trotz Schließung weiter im Gespräch zu bleiben. Mach es Deinen Gästen einfach, sprich sie dort an, wo sie sich online aufhalten. Scheue Dich nicht vor vermeintlich schlecht gemachten Videos. Sondern trau Dich einfach vor die Kamera. Es gibt kaum noch Smartphones, die keine umfassenden Foto- und Videofunktionen haben.

Welche Apps Dir beim Social-Media-Management und beim Kreieren von Inhalten unterstützen können, haben bereits einige Kollegen detailliert dargestellt:

Pimp your Social Media Content: 11 + X Tools, um Inhalte zu kreieren von SEOKRATIE

7 Grafik-Tools, mit denen du online die schönsten Bilder für Social Media erstellst von Sandra Holze

 

Instagram Screenshot Hygienekonzept Video Café Nordhörnchen

Nicht nur Chefinsache, auch persönliches Anliegen.

Als die Gastronomie nach dem Shutdown wieder öffnen durfte, war es für Sarah selbstverständlich das Hygeniekonzept ihres Cafés persönlich und über Social Media vorzustellen.

 

 

Screenshot vom Instagram Kanal des Café Nordhörnchens

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Von Anna Hübner

Mein Herz schlägt für gute Geschichten, ob ich sie selbst beim Reisen erlebe oder sie zusammen mit meinen Kunden finde und erzähle, ist dabei ganz egal!

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2 Kommentare

  1. Valerie

    Hallo Anna,

    das ist ein tolles Interview, das sehr gut zeigt, wie wichtig es ist online sichtbar zu sein. Natürlich gilt das auch für Nicht-Krisenzeiten. Ein super Beispiel von dem sich Hotel- und Gastrobetriebe definitiv etwas abkucken können. Top!

    Grüße
    Valerie

    Antworten
    • Anna Hübner

      Hallo Valerie,
      vielen Dank für dein tolles Feedback. Das gebe ich auch gerne an das Café Nordhörnchen weiter. Das Beispiel zeigt auch, dass es keine Hochglanzbilder braucht oder 4K Videos. Herzblut ist auch schon eine Menge wert und die Gäste würdigen es sehr. Daran sollten sich definitiv viele Unternehmer*innen aus der Gastronomie ein Beispiel nehmen.
      Liebe Grüße
      Anna

      Antworten

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